Jedes Jahr fahren mein Mann und ich quer durchs Land zu unserer Tochter.
Ich liebe sie über alles. Aber ich fürchte mich vor der Reise.
Nicht vor der Fahrt. Nicht vor dem Wiedersehen. Vor dem Schlafen.
Ich bin Seitenschläferin. Schon immer gewesen. Aber vor drei Jahren fing der Schulterschmerz an. Und er wurde jedes Jahr schlimmer.
Ich lag immer auf der linken Seite. Dann wurde die linke Schulter so schlimm, dass ich auf rechts wechseln musste. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die rechte nachgab.
Einschlafen kann ich meistens. Das Problem ist das Durchschlafen.
Ich wache auf, und die Schulter, auf der ich liege, bringt mich um. Ein tiefer, pochender Schmerz. Manchmal wird der ganze Arm taub. Dieses Kribbeln von der Schulter bis in die Fingerspitzen.
Ich drehe mich auf die andere Seite, habe kurz Ruhe, und dann fängt die andere Schulter an.
Ich habe seit Jahren keine vier Stunden am Stück geschlafen.
In den schlimmsten Nächten gebe ich auf und setze mich in den Sessel im Wohnzimmer. Aufrecht sitzen ist die einzige Position, in der kein Gewicht auf den Schultern liegt.
Zu Hause ist es einfach nur eine weitere schlechte Nacht. Niemand sieht es. Niemand fragt, ob es mir gut geht.
Bei meiner Tochter bin ich Gast. Ich will nicht die Mutter sein, die nicht schlafen kann, die morgens fertig und schlecht gelaunt ist, die das ganze Wochenende ruiniert, weil sie erschöpft ist und Schmerzen hat.